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Robert Fennig
Ich weiß das er am 12. Oktober 1911 in Alexandrowka (Wolhynien) in der Ukraine geboren wurde. Als Sohn von Gustav Fennig und seiner Frau Olga (geb. Stockmann). Getauft wurde er in der 1900 gegründeten ev. Luth. Gemeinde in Radomyschl – im äußersten Osten Wolhyniens (vorher mußten evangelische Christen bis nach Kiew reisen wenn sie getauft, konfirmiert, verheiratet oder beerdigt werden wollten).
Als sein Vater am 03. November 1918 starb war die Familie offensichtlich schon in Ostpreußen (mögliche Gründe: siehe Bericht Alwine Ernst) – dem Sterbeort von Gustav Fennig nach zu urteilen in Hohewiese, im Landkreis Elchniederung. Dort ist er also massgeblich aufgewachsen. Dort wird er auch seinen Beruf (Maurer) gelernt haben.
Am 17. Januar 1937 verstarb auch seine Mutter Olga Fennig (geb. Stockmann) – das aber schon in Birkenhausen, Lk. Insterburg.
Im Landkreis Insterburg heiratete er auch 1938 die 8,5 Jahre jüngere Erna Redlich und das junge Ehepaar lebte wohl in den ersten Monaten auf dem Hof ihrer Eltern in Birkenhof Gemeinde Aulowönen. Dort kam auch der älteste Sohn, Werner, zur Welt. Bis das Geld reichte in Wilkental, ganz in der Nähe, ein Doppelhaus zu errichten. Dort wurden weitere zwei Kinder geboren, Manfred und Lothar.
Da Maurer lange als „unabkömmlich“ galten dauerte es bis zum 26.07.1944 bis er vom Wehrmeldeamt Rostock eingezogen wurde. Die Nummer seiner Erkennungsmarke war -3893-Stm.Kp.Pi.Ers.2 was bedeutet das seine Stammkompanie das Pionierersatz-Bataillon 2 mit Standort in Stettin-Podejuch war. Seine Frau hat ihn dort mindestens einmal besucht – auf jeden Fall hat sie erzählt das die Soldaten dort sie alle so angestiert hätten als wenn sie noch nie eine Frau gesehen hätten.
Eingesetzt wurde er dann in der 2. Kompanie des Pionier-Bataillons 193 das mit der 93. Infanterie-Division 1944/45 noch in Lettland und Ostpreußen eingesetzt wurde.
Er hat es dann geschafft noch in britische Gefangenschaft zu kommen (das bedeutet: die besten Überlebenschancen) wo er am 03. Oktober 1946 von einer Entlassungsstelle als Obergefreiter registriert wurde. 1947 kam er dann bei seiner Familie in Lutten an.
Im Landkreis Vechta angekommen gründete er dann in den 50er Jahren ein eigenes Bauunternehmen (zunächst noch mit einem Partner – von dem er sich später (als er selbst die Meisterprüfung hatte) trennte), baute sich und seiner Familie ein neues Haus in Vechta, bekam mit seiner Frau weitere drei Kinder (Heinz, Klaus und Hannelore) und starb schließlich im Mai 1992 in seinem Haus in Vechta an einem Herzinfarkt.

Erna Fennig
Viel ist ja schon gesagt durch ihre Beerdigungspredigt und den Bericht über Robert Fennig. Was man sagen kann: Sie kannte offensichtlich Tilsit (zumindest über die Brücke nach Tilsit hat sie mal erzählt) und war auch öfter in Insterburg.
Die Flucht hat sie allein mit ihrer Schwester Hulda und den Kindern gemeistert. Drei kleine Kinder, ein Kinderwagen, die wichtigsten Papiere – und das Bargeld (am Ende der Flucht war's dann nichts mehr wert).
Gestorben ist sie am 19. September 2006 in Vechta in ihrer Wohnung – an Nierenversagen.

Hier die Beerdigungspredigt, gehalten von Pfarrer Jörg Schlüter in der Auferstehungskapelle auf dem Waldfriedhof in Vechta:

Liebe Kinder der verstorbenen Erna Fennig und alle, die zur Familie gehören, liebe Nachbarn und Freunde der Familie, liebe Trauergemeinde!

Wir wollen uns um ein Wort der Heiligen Schrift sammeln, aufgeschrieben in Psalm 119: Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort.
Wie viel Leid in der Welt geschieht, das ist uns manchmal unvorstellbar. Und kommen Bilder ins Haus geflattert, die manchmal kaum zu ertragen sind. Und wir haben die Möglichkeit, diese Bilder abzuschalten, draußen zu lassen.
Aber wenn der Tod in unsere Familie gekommen ist, die Schwelle zur eigenen Haustür übertreten hat, dann tritt das ganze Leid der Welt zurück - und wir sind selbst Betroffene. Oft dauert es Wochen und Monate, bis auch unser Herz, die Welt der Gefühle, begriffen hat: die Mutter, die Oma ist nicht mehr da.
Es gibt Menschen die sagen: Sie ist 86 Jahre alt geworden, das wird wahrhaftig nicht jedem geschenkt, stimmt. Aber es stirbt doch nicht nur ein Mensch. Es stirbt auch die Beziehung, die wir zu dem Menschen hatten, die Bindung. Ganz gewöhnliche Tagesabläufe sind jetzt nicht mehr da; das Gespräch miteinander wird fehlen. All das ahnen wir, spüren wir und darum sind wir traurig.
Erna Fennig, geb. Redlich wurde am 26. Februar 1920 in Ernstburg/Ostpreußen geboren. Sie wuchs dort mit ihren 5 Geschwistern auf.
1938 heiratete sie ihren Mann, Robert Fennig. Sechs Kindern hat sie das Leben geschenkt, die Schwiegerkinder kamen hinzu, 16 Enkelkinder und 8 Urenkel.
Das hört sich alles so glatt an, aber Erna Fennig hat schon als junge Frau und Mutter unglaubliches durchmachen müssen. Der zweite Weltkrieg tobte und 1944 musste sie ihre Heimat Ostpreußen verlassen, flüchten vor den Soldaten. 26 Jahre war sie damals alt, hatte drei Kinder. Ich frage mich manchmal: wie haben die Menschen das geschafft, das ausgehalten. Es ist ja keine Reise von Ostpreußen hierher gewesen, sie waren auf der Flucht, unmenschliche Zustände, Hunger, Kälte und immer die Angst im Nacken: Dir, Deiner Familie, Deinen Kindern kann so Schlimmes begegnen. Vom Herbst 1944 bis zum Frühjahr 1945, der Krieg war noch nicht einmal zu Ende, als sie in Lutten ankam. Sich allein mit den Kindern organisieren, denn 1947 kam ihr Mann erst aus der Gefangenschaft wieder. Aber immer auch Menschen gefunden, die ein Stück weiter geholfen haben.
1949 zog die Familie nach Vechta und 1963, zur Silberhochzeit war das eigene Haus im Buchenkamp fertig. 3 Kinder wurden noch hier, in Südoldenburg geboren. Was sie im Leben geleistet hat, das kann wohl nur der ermessen, der weiß, wie viel Arbeit und Mühe und Kraft in einem großen Haushalt steckt.
1992 starb ihr Ehemann. Sie haben erzählt, dass sie eine ganz regelmäßige Kirchgängerin war, so lange es ihre Gesundheit zuließ.
In den letzten Jahren ließen ihre Kräfte nach, aber im haus konnte sie sich noch bewegen. In den letzten Wochen aber wurde sie immer weniger und starb. Sie ist in dem haus gestorben, in dem sie die Hälfte ihres Lebens gelebt hat.
Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort.
Wenn die Bibel von Heil spricht, dann meint sie mehr, als das Zerbrochenes wieder repariert wird. Dann möchte sie uns etwas von den Möglichkeiten Gottes näher bringen, die unsere Möglichkeiten bei weitem übersteigen. Himmel ist ein anderes Wort für Heil. Und damit meine ich nicht nur den Himmel, in dem wir jetzt Erna Fennig wissen dürfen. Nein, Himmel, das sind auch diese tiefen Momente, in denen wir Menschen eine Lebenszufriedenheit und Gottesnähe spüre, dass wir sagen können: wenn ich jetzt sterbe, dann ist es gut so.
Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort.
Wenn wir die Ärmel aufkrempeln, dann können wir viel erreichen, uns wirklich etwas aufbauen. Und auf sein Lebenswerk darf man dann auch mit Recht stolz sein. Aber es gibt - wer wollte das leugnen - auch immer Situationen, wo wir an unsere Grenzen kommen und sagen müssen: ich kann nicht mehr. Grenzen, an denen wir spüren, wir haben eben nicht alles in der Hand. Eine ganze Menge, ja, aber nicht alles.
Und in diesen Grenzerfahrungen tauchen Fragen auf, die dann in unserem Schädel oder in unserer Seele kreisen. Wie ist das mit mir und dem Tod? Was ist meine Ant-wort, wenn Gott mich ruft?  Und in einer Stunde wie dieser merken wir: diese Frage holt mich immer wieder ein.
... ich hoffe auf dein Wort.
Wenn ein Mensch keine Hoffnung mehr hat, über das hinaus zu schauen was ist, dann bleibt er ein Gefangener der Gegenwart. Dann kommt er aus seinem Tief und aus seiner Traurigkeit nicht mehr heraus. Das ist die eine Seite. Und die andere Seite ist die Einstellung: ach, wird schon irgendwie werden. So eine Art Selbstberuhigung. Manchmal hilft einem das tatsächlich - kurzfristig, aber diese Art von Hoffnung entwickelt niemals eine positive Kraft, auf die Fragen, die in mir wohnen, eine Antwort zu suchen und zu finden.
... ich hoffe auf dein Wort.
Das heißt letztlich, Gott, Du bist meine Hoffnung. Und vielleicht kann mich das hinführen zu dem, was der Prophet Jesaja einmal aufgeschrieben hat, dass nämlich der Mensch kein namenloses Objekt ist, dem Schicksal ausgeliefert, sondern Gott spricht: siehe, ich habe dich bei deinem Namen gerufen, Du gehörst zu mir!
Gott, unsere Hoffnung, die nicht nur für die Trauer um Erna Fennig gilt, sondern für alle weiteren Schritte in unserem Leben. Gott unsere Hoffnung, die uns nicht vor Schwierigkeiten schützt und Schlägen des Lebens, die uns aber zur Kraft wird, trotz alledem, das Leben zu gestalten. Und wenn die Christen seit zweitausend Jahren von dieser Hoffnung leben und die Welt gestaltet haben, dann sollte das heute nicht mehr gelten? Doch!
Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort.
Erna Fennig hat das Heil erlangt. Da, wo nichts mehr kaputt gehen kann, da wo Schmerz und Krankheit, Angst und Tränen aufgehört haben zu existieren, da wo nur noch die Liebe und das Licht Gottes zu spüren sind.
Ich kann den Himmel nicht beschreiben und nicht erklären. Aber dass es ihn gibt, zeigt mir Jesus, der Gekreuzigte, der von Schmerzen gepeinigte, den himmlische Vater von den Toten auferweckte und zu sich an seine Seite nahm.
Ein ewiges Zuhause.
Amen