Ralfs Seiten

& Freunde

 

Startseite

Nachhilfe

Mein Leben

Bildergalerie

Meine Motivation

Interessen

Kurioses

Witze

Links

Gästebuch

Impressum

 

Heinrich Iffländer
geb. 28.11.1916 in Tolkemit - gest. 12.10.1943 in Welikij-Bukrin

Er starb knapp 30 Jahre vor meiner Geburt - auch meine Mutter war bei seinem Tod gerade mal zwei Jahre alt. Alles, was ich über ihn weiß, weiß ich aus zweiter oder dritter Hand. Trotzdem widme ich ihm diesen ersten "Nachruf".

Seine Frau hat bis zu ihrem eigenen Tod nur gut über ihn geredet, er sei immer lustig gewesen, habe fast jedes Instrument spielen können und vor allem: Sie habe ihn aus Liebe geheiratet - obwohl ihre Eltern nicht ungeteilt glücklich damit waren das sie sich so einen armen, auswärtigen Schlucker ausgesucht hatte...

Und auch das, was ich bislang herausgefunden habe, läßt auf einen sympatischen Menschen schließen.

Deshalb beginne ich (auch in Gedanken an meine Oma) die Nachrufe hier mit ihrem "Heini".


Ein einfaches, glattes und unkompliziertes Leben war ihm nicht beschieden. Als seine Mutter ihn am 28. November 1916 zur Welt brachte war es sein Geburtstag - und ihr Todestag. Sie starb im Kindbett, was damals nicht so selten war wie es heute zum Glück ist. Es sind vielleicht nur "pädagogische Reflexe", die sich bei mir nach zwanzig Jahren Pfadfinderleitung einstellen - aber wenn ich mir vorstelle was es für einen Jungen bedeuten muss wenn der Tod der Mutter in Verbindung zur eigenen Geburt steht denke ich schon dort das es eine schwere Hypothek war.
Sein Vater heiratete darauf wieder. Eine Frau, die durch ihre extrem ausgeprägte Sparsamkeit sicher hervorragend für die wirtschaftlich schweren Jahren, die auf das Städtchen Tolkemit am frischen Haff zukamen, geeignet war. Drei Halbschwestern bekam Heinrich (neben einem älteren Bruder und einer älteren Schwester) in den nächsten Jahren dazu. Dann starb 1927 auch sein Vater.

Als Heinrich anfang der 30er Jahre die Schule beendet hatte fand er (wie auch sein etwas älterer Bruder Willi - und viele Andere) im damals sehr armen Tolkemit keine Arbeit. Also packte die Familie ihre Sachen und zog Richtung Westen. Berta Iffländer fand für die beiden Brüder Arbeit in Südlohne - sie selbst lies sich mit den Töchtern in Bremen nieder, wo sie bis zu ihrem Tod in den 80er Jahren ein sehr bescheidenes Leben führte.

Willi arbeitete also beim Bauern Kokenge und auch Heinrich war in Südlohne untergekommen. Bei der Arbeit lernte er seine spätere Frau Hedwig kennen. Und verliebten sich auch dort. Ihre Eltern drängten zwar darauf das sie heiraten sollte - es war immerhin eine Schande das sie einen unehelichen Sohn hatte - aber am Liebsten natürlich jemanden mit Geld und Ansehen. Keinen besitzlosen Jungen vom anderen Ende Deutschlands. So fanden die ersten Treffen wohl heimlich statt. Während am Vordereingang ihre Eltern potentielle "Bewerber" einluden und einließen schlich sie sich hinten raus und ging zu ihrem Heini.

1938 war es dann endlich so weit. Beide waren Volljährig, hatten auch ein wenig gespart (daneben gab es damals noch ein Ehestandsdarlehen das auch Mut zum heiraten machte) - und konnten endlich heiraten. Morgens gab man sich das Ja-Wort in der Gertrudskirche in Lohne, dann stieg die kleine Hochzeitsgesellschaft in den Zug nach Bremen, heiratete dort standesamtlich und feierte bei Berta Iffländer Hochzeit.
Überliefert sind zwar Witze auf der Zugfahrt das man (im Angesicht der Sparsamkeit von Berta) wahrscheinlich nur einmal mit der Hand am Räucherschinken langstreichen dürfte und das dann reichen müßte - ob es auf der Hochzeit tatsächlich so karg zuging ist nicht mehr bekannt. Zur selben Zeit adoptierte Heinrich den ersten Sohn von Hedwig und nahm ihn als eigenen Sohn an.

Viel Zeit blieb der kleinen Familie nicht das neue Glück zu genießen. Es wurde eine Wohnung in Kroge bezogen und bald darauf wurde Heinrich in die Wehrmacht eingezogen. Den zweiten Weltkrieg "durfte" er vom ersten Tag an miterleben.

Zwei Kinder wurden den Beiden noch geschenkt - ein Sohn 1939 und eine Tochter 1941. Aber zu einem "normalen" Familienleben sollte es nicht mehr kommen.

Vorerst an der noch ruhigen "Westfront" - sein Infanterieregiment sicherte in der Eifel die dt. Grenze. 1940 sprang er dann mit dem Fallschirm über den Niederlanden ab. Laut meiner Oma hat er erzählt die Kugeln seien nahe an ihm vorbeigesaust als die Niederländer versuchten diesen Fallschirm-Angriff abzuwehren. Dann ging es über Rumänien gegen die Sowjets in der Ukraine. Von da an kämpfte er an der Ostfront.
Nach zweimaliger Verwundung (schwerer Bauchsteckschuss im Sept. 1941 und einen Durchschuss des rechten Armes im März 1943) wurde er als Ausbilder in das Grenadier Ausbildungs-Bataillon 105 zurück in die Eifel (nach Wittlich) versetzt.
Laut dem, was meine Oma erzählte, sollte er da schon etwas ältere Männer ausbilden, die sein Vater hätten sein können - und das konnte er nicht. Ihm taten diese Männer leid - und deshalb hat er sich zur Ostfront zurückversetzen lassen.
Das wurde sein Ende.

Meine Oma hat mir erzählt das (als sie ihn am Bahnhof Lohne verabschiedet hatte und er mit dem Zug abgefahren war) sie wußte "Ich sehe ihn nie wieder!" - sie hätte sich am Bahnhof auf eine Bank gesetzt und erstmal bitterlich geweint.
Sie hatte Recht. Wenige Tage später, am 12. Oktober 1943, verteidigte er mit seinem Trupp eine Stellung in Welikij-Bukrin bei Kiew. Da traf ihn von einem russischen Panzer eine MG-Salve in die Brust und er war sofort tot.

Aber eine Aufgabe hatte er noch zu erfüllen.
Meine Oma sagte mir sie war von dieser Todesnachricht wie gelähmt. Stundenlang hätte sie nur geweint. Als sie mal wieder abends allein in ihrer Küche saß (ihre drei Kinder schliefen schon) hatte sie das Gefühl das jemand im Zimmer war und ihr von hinten auf die Schulter fasste. So als wenn jemand sagen wollte "Heti, muss doch weiter gehen irgendwie - nun sei mal nicht mehr traurig!" - und auch wenn es verrückt sein mag: Sie war sich sicher das er es war. Ab da (so meinte sie) war die schlimmste Trauerzeit vorbei. 

Meine Oma sagte über ihn "Das war noch ein richtiger Soldat - der seine Heimat verteidigen wollte!". Schade das er in DIESEM Krieg SO sterben musste.
Er war sicher ein Held - und ist leider ein toter Held.
EK 2, EK 1, Verwundetenabzeichen, Nahkampfabzeichen, etc. pp. und Feldwebel-Dienstgrad waren für seine Frau (die Ihren Heini, da bin ich sicher, bis zum Schluss geliebt hat) und die Kinder nur ein schwacher Trost.