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Meine Gemeinden-Historie

Getauft wurde ich im August 1973 (an einem sehr heißen Tag) in der katholischen Propsteikirche Vechta von Propst Nieberding. Von da an machte ich eine typisch katholische Sozialisation durch. Erstkommunion, Firmung, Patenamt für meine älteste Nichte, etc.
Ich nahm das auch alles sehr ernst - schon mit elf Jahren bin ich mit meinem Bruder in kath. Messen gegangen. Wenigstens einmal im Jahr habe ich gebeichtet etc. pp.
Heute kann ich sagen: Es war eine schöne Zeit. Noch heute schaue ich mir gern die prächtigen kath. Kirchen an - manchmal schleiche ich mich sogar in eine Messe um die kath. Liturgie zu verfolgen.
Ich schaue mir auch heute noch (manchmal) K-TV an - und auch wenn ich mich über einige Aussagen dort ärgere freue ich mich doch in Sachen "Katholizismus" auf dem Laufenden zu bleiben und die Informationen nicht nur aus zweiter oder dritter Hand bekomme.

1993 bin ich dann evangelisch-lutherisch geworden. Es verbanden mich einfach mehr soziale Kontakte in die evangelische Gemeinde - außerdem war ich über meine damalige Pfadfinderarbeit Mitarbeiter der Gemeinde.
Theologische Gründe für diesen Wechsel hatte ich wenige bis keine. Damals konnte ich die Lehren dieser Kirchen auch noch nicht auseinanderhalten...
Heute ist es mir peinlich, nur aus sozialen Gründen ("da kenne ich mehr Leute!") konvertiert zu sein - trotzdem glaube ich mitlerweile: Es war ein richtiger Schritt. Und bereuen tue ich es nicht.
Heute kann ich die Kernaussagen der Reformation und der lutherischen Kirche so unterschreiben:
sola scriptura, sola fide, sola gratia, solus Christus!

Als ich 1998 dann wirklich in der Krise steckte reichte mir das Ganze nicht mehr. Ich suchte nach tieferen Glaubenserfahrungen - wollte keine Liturgie, sondern Sinn!
In dieser Situation stieß ich auf die Christengemeinde Vechta. Dort habe ich mich endgültig bekehrt - und bin viele Schritte im Glauben gegangen. Seitdem ist Jesus Christus mein Lebensmittelpunkt. Ich bin der Christengemeinde Vechta in sehr vielen Punkten sehr dankbar. Auch wenn es zu mehreren Aktionen kam die ich heute als überflüssig bezeichnen würde.
Ja - ich habe mich dort im August 1999 "Glaubenstaufen" lassen. Ich stehe dazu - auch wenn ich eine Säuglingstaufe akzeptieren kann wenn sie durch eine echte "Konfirmation" besiegelt wird.
Ja - ich habe mich auch "im hl. Geist" taufen lassen. Auch wenn ich weiß, dass ich den hl. Geist schon vorher hatte (denn ohne diesen Geist kann niemand Jesus als Herrn bekennen) und auch wenn ich dadurch nicht die Gabe des Zungenredens erhielt (und auch ein "Lernen durch Nachsprechen" ablehnte).
2003 kam es dann zum Streit mit der Pastorin dort. In einer wichtigen Frage meines Lebens konnte ich ihr nicht "gehorchen".
Eigentlich hatte ich den Vorsatz darüber "hinwegzugehen" - einfach treu weiter den Gottesdienst und den Hauskreis zu besuchen - und irgendwann wird einer der beiden Seiten (entweder sie oder ich) einsehen das die Entscheidung falsch war, Buße tun, und alles wäre wieder gut.
Dann kam es jedoch zu mehreren Ermahnungen, dass ich auf dem Weg wäre vom Herrn abzufallen; es kam dazu das ich nicht mehr angerufen wurde wo der Hauskreis stattfindet (und wenn ich anrief relativ abweisend behandelt wurde); über verschiedene Kanäle hörte ich das es zu Irritationen führen würde das ich weiter in die Gemeinde komme; als mir in einem Gespräch, das ich mit einem eigentlich immer guten Freund von mir führte, gesagt wurde das es ohne Unterordnung keine Freundschaft gäbe und sich zudem auf betreiben der Gemeindeleitung meine WG mit einem Bruder aus der Gemeinde auflöste wurde mir immer klarer das meine Zeit in der Christengemeinde um war.

Zeitgleich damit zog ich im Januar 2005 nach Goldenstedt. Ich sah das als einen Wink Gottes (in Vechta war keine Wohnung zu finden) mich jetzt der ev. Gemeinde dort zuzuwenden. Viele Dinge, die ich in der Christengemeinde immer vermißt habe (die alten Choräle, die Feierlichkeit, Orgelmusik, etc.) würde ich dort wieder finden. Das dies eine liberalere Kirche ist wage ich mitzutragen.
Mein Glaubensleben suchte und suche ich immer noch in einem Hauskreis "auszuleben". Ich vermisse es, gemeinsam in der Bibel zu lesen und dort Antworten zu suchen. Ich vermisse es auch gemeinsam das freie Gebet zu pflegen. Aber ich glaube das Gott auch so einen Kreis in der ev. luth. Gemeinde Goldenstedt schenken wird.
Schön an dieser kleinen, ländlichen Gemeinde ist in jedem Fall das (fast) Jeder (fast) Jeden kennt. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Was kann ich aus dieser Biographie lernen?

Ich habe katholische, ev. lutherische und freikirchlich-charismatische Gemeinden von Innen kennengelernt.
Daneben kenne ich die unterschiedlichsten Konfessionen: Baptisten, Heilsarmee, Pfingstler, FEG, reformierte, Methodisten, Siebenten-Tags-Adventisten,...
Und ich muss sagen: Keine dieser Gemeinschaften (auch wenn die röm.Kath.-Kirche das von sich vorgibt) hat allein die ganze Fülle des Evangeliums von Jesus Christus. Wir nähern uns unserem Erlöser aus unterschiedlichster Richtung - und sehen ihn aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
In jeder dieser Gemeinden konnte ich dazulernen.
Ich glaube, dass wenn wir auf Jesus Christus schauen echte Ökumene möglich sein wird.
Ich glaube, dass Jesus seine Kirche in allen Gemeinden hat - dass mancher aus Konfessionen denen wir "Irrlehre" vorwerfen erlöst ist - und mancher aus Konfessionen die wir für perfekt halten an der Erlösung vorbeiläuft.
Erlösung finden wir nicht in einer Konfession sondern allein in Jesus Christus!