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Alwine Ernst
Da ich immer noch nicht weiß wie ihr erster Mann hieß habe ich für Alwine Ernst jetzt eine eigene Seite angelegt.

Ihr Leben fängt gleich mit einem Rätsel an:
Ihre Sterbeurkunde (ausgestellt von der Stadt Vechta am 19. Mai 1959 und unterschrieben vom Zeugen Robert Fennig) sagt aus sie sei am 18.04.1881 in Marianka, Polen geboren.
Eine Datenbank im Internet (die sind öfter mal ungenau) sagt sie sei am 20.10.1880 in Murawa, Polen geboren.
Fest steht: Es war irgendwo in Wolhynien, einem Gebiet westlich von Kiew (Ukraine) das damals (Polen lag ja zwischen den Weltkriegen durch polnische Eroberungskriege ein großes Stück weiter östlich) bis nach Polen hinein reichte.
Als Eltern sind im Internet Carl Ernst und seine Frau Anna (geb. Zander) angegeben. Wenn dem so war muss sie mindestens drei Geschwister (Adolf, Euphrosine und Johann) gehabt haben die ähnlich alt waren (höhestens drei Jahre jünger bzw. älter – andere, weiterreichende, Daten sind im Netz nicht verfügbar).

Geheiratet haben muss sie noch in Wolhynien – einen Redlich, dessen Vornamen und genaue Daten ich leider immer noch nicht kenne. Auf jeden Fall kam dort 1901 noch ihre älteste Tochter Hulda zur Welt. 1920 muss die Familie spätestens in Ostpreußen angekommen sein – denn in diesem Jahr kam Erna Redlich in Ernstburg (Kreis Darkehmen – ab 1938 Angerapp) zur Welt.
Interessant: Der Ort Ernstburg wurde 1874 aus den Orten Abscherningken und Grieben gebildet – Grieben hieß auch die Gemeinde in Sachsen-Anhalt in der Alwine nach dem Krieg zunächst wohnen blieb...
Möglicher Anlass für diese Umsiedlung von Wolhynien nach Ostpreußen kann der erste Weltkrieg gewesen sein – als 1915 die dt. Truppen immer näher rückten wurden die Deutschen in Wolhynien von der russischen Regierung enteignet und ins Landesinnere gebracht. Einige entgingen dem – und wer noch da war als die dt. Reichswehr in Wolhynien kämpfte wurde i.d.R. nach Ostpreußen evakuiert. Ob das auch für die Familien Fennig und Redlich gilt weiß ich nicht sicher, ist aber möglich.
Zweite Möglichkeit wäre das sie nach dem ersten Weltkrieg nicht nach Wolhynien zurück – sondern lieber nach Deutschland wollten; oder das sie schlicht in Wolhynien nicht mehr leben konnten (irgendwann zwischen 1901 und 1920).

1920 war Familie Redlich also sicher im Landkreis Darkehmen in Ostpreußen – 1938 spätestens hatten sie eine eigene Landwirtschaft in Birkenhof, Willschicken (Wilkental) im Landkreis Insterburg.
Gegen Ende des Krieges wurde Alwine Redlich Witwe – heiratete aber wohl noch in Ostpreußen Adolf Wendland, der einen benachbarten Bauernhof besaß.
Als im Winter 1944/45 die rote Armee immer näher nach Ostpreußen und schließlich nach Ostpreußen hinein kam mussten auch Adolf und Alwine Wendland ihre Heimat verlassen. Auf welchem Wege genau weiß ich noch nicht – aber noch im Frühjahr 1945 kamen sie wohl in Grieben im Landkreis Stendal, Sachsen-Anhalt, an. Dort ließen sie sich gemeinsam mit Alwines Schwager Helmut Redlich und dessen Familie zunächst nieder.

1945 wurden in der sowjetischen Besatzungszone die Großgrundbesitzer enteignet und größtenteils ermordet oder in Lager gebracht. Das Land wurde an sog. „Neubauern“ oder „Siedler“ verteilt. Auch Wendlands und Redlichs haben je 10 ha Land und Baugrund für einen Neustart bekommen und so einige Jahre in der späteren DDR gelebt.
Eine ältere Griebenerin, mit der ich telefoniert habe, konnte sich noch hauptsächlich daran erinnern das sie damals mit den Redlich-Kindern gespielt habe; das Adolf Wendland immer in Gummistiefeln die Pferde des Ortes versorgt habe und das Alwine Wendland einen „Dutt“ gehabt habe.

Was Wendlands und Redlichs veranlaßte die DDR wieder zu verlassen weiß ich noch nicht sicher. Möglich das es die zweite Welle der „Enteignerei“ in der DDR war. Ab 1952 wurden die Bauern (auch die „Neubauern“) nämlich bearbeitet sich den neuen „Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPGs)“ anzuschließen – also (theoretisch) zwar ihre Höfe zu behalten (praktisch) aber gemeinsam mit allen Bauern am Ort zu wirtschaften.
Hunderttausende von Bauern verließen deshalb die DDR – möglich das die Beiden dazu gehörten. Adolf Wendland verstarb wenigstens noch in Sachsen-Anhalt, kurz bevor Alwine ihrer ältesten und jüngsten Tochter in den LK Vechta nachreiste.

Bis zu ihrem Tod am 19. Mai 1959 um halb drei Uhr morgens lebte sie dann bei ihrer Tochter Erna und ihrem Schwiegersohn Robert Fennig. Wobei sie in den letzten Monaten zunehmend verwirrt war.